Touristen wollen den Buckelwahl von Rügen sehen

Geschrieben am 5. August 2008 in Allgemein von otto ||

Artikel der Rheinischen Post Donnerstag, 31.7.2008

Zum ersten Mal seit 30 Jahren wurde vor der Küste Rügens ein Buckelwahl gesichtet. Walforscher fürchten, dass sich das Tier auf dem Weg vom Äquator Richtung Arktis in die Ostsee verirrt hat.

Von Andreas Frost

Eigentlich wollten die Ornithologen Andreas Nick und Christoph Bock Vögel beobachten – als sie von ihrem kleinen Boot aus ungewöhnliche Fontänen sahen. Dann aber verfolgten sie am vergangenen Freitag eine Stunde lang mit ihrem Fotoapparat eine „Sensation“, wie es der Walforscher Andreas Benke vom Stralsunder Meeresmuseum gestern bezeichnete. Zum ersten Mal seit 30 Jahren wurde vor Rügens Nordküste und damit in deutschen Ostsee-Gewässern ein Buckelwahl beobachtet. Auf zwölf Meter Länge schätzt Benke den seltenen Gast, der immer wieder nahe der Schifffahrtsroute aus der Gischt sprang. Ähnliches verzeichnet die Forscherchronik nur für 1978 und für 1851. Hinzu kommt noch der Fund eines zwei Tonnen schweren toten Buckelwalbabys in der Lübecker Bucht vor fünf Jahren. Die Freude über den verirrten Buckelwal in der Ostsee ist bei den Wahlforschern allerdings begrenzt. Das wahrscheinlich noch nicht voll ausgewachsene Tier muss dringend den Weg zurück in den Atlantik finden. In der Ostsee gibt es nicht genug Nahrung, um ihn satt zu machen. „Er wird bereits hungrig sein“, vermutet Benkes Kollegin Anja Gallus. Sie glaubt, dass der Wal auf dem Weg aus dem warmen Wasser am Äquator auf dem Weg zur Arktis war, und sich am Kattegat in die Ostsee verirrt hat. In den arktischen Gewässern fressen sich die Buckelwale den nordischen Sommer lang über drei Monate satt. Bis zu zwei Tonnen Krill und Fisch vertilgen sie dann täglich, bevor sie zurück in den Süden schwimmen, wo sie neun Monate kalben und neue Wale zeugen. Die Sensation ist auch deshalb relativ, da vielleicht vor zwei Jahren ein anderer Buckelwal durch den deutschen Teil der Ostsee schwamm – ohne sich blicken zu lassen. Vor der polnischen Küste aber wurde er gesehen. Gallus glaubt nicht, dass dieser Wal zwei Jahre lang in der Ostsee überlebt hat. Aber nur ein Vergleich der „Fluke“ genannten Schwanzflosse oder der „Finne“ auf dem Rücken könnte Gewissheit bringen, dass der Buckelwahl vor Rügen nicht mit dem von 2006 identisch ist.
Wer den Wal noch sehen will, muss auf einem Boot hinaus fahren. Als Alternative empfiehlt die Walforscherin einen Ausflug ins Stralsunder Ozeaneum, wo lebensgroße Buckelwal-Modelle hängen. Während Buckelwale nur seltene Irrgäste sind, bevölkern noch rund 600 Schweinswale die Ostsee. Doch auch ihr Bestand ist gefährdet.

Einen Kommentar schreiben

Schliessen
E-mail